|
|
|
| Zeichen des bürgerlichen Engagements | |
|
843 Cnudelingen 2009 Knittlingen. Eintausendeinhundertsechsundsechzig Jahre bewegte Geschichte. 1166 Jahre Gemeinschaft, Handel und Gewerbe. In dieser Zeit veränderten sich für Knittlingen mehrmals die Besitzerverhältnisse bzw. die Zugehörigkeit: Herren von Bretten, Markgrafschaft, Kurpfalz, Kloster, Landkreis Vaihingen und heute Enzkreis. |
|
| Mitten durch Knittlingen führte eine wichtige, deutsche Handelsstraße von Frankfurt am Main über Speyer nach Cannstatt. Im Jahr 1490 richtete der römisch-deutsche König und spätere Kaiser Maximilian I. die erste regelmäßig betriebene Postroute Europas zwischen Innsbruck und den Niederlanden ein und Knittlingen wurde 1495 und 1499 als Poststation belegt. 1840 wurde dem Ort das Stadtrecht verliehen. | |
| Vollständige Zerstörung widerfuhr Knittlingen 1360, 1632 und 1692. Auch sonst hatte die Stadt durch Belagerungen, Brände und Plünderungen viel zu leiden. Wenig blieb erhalten. Von der Stadtmauer existieren nur noch Reste, einige Häuser bzw. die Grundmauern sind Zeitzeugen früherer Tage was blieb sind Grundstrukturen des Pfleghofs und angrenzendes Areal. | |
| Immer wenn Knittlingen am Boden lag, waren es die Bürger, die ihre Stadt zum Teil unter schwersten Bedingungen wieder aufbauten. Auch heute sind es engagierte Bürger, die Bestehendes erhalten möchten. Das Wenige vom historischen Bestand in der Innenstadt soll erhalten bzw. saniert werden. Dazu gehört die Marktstraße mit angrenzenden Häusern, Kirche mit Vorplatz und der Pfleghof mit der Kelter. | |
![]() |
BürgerTürme mit Wasserspiel Schon in der Antike dienten freistehende Pfeiler als Inschriften- oder Grenzsteine. Diese Stelen wurden reich verziert. Auch in der zeitgenössischen Kunst werden Stelen als ästhetisches Ausdrucksmittel häufig verwendet. In Knittlingen sollen Türme an das Bürgerengagement erinnern.
Die Stelen in ihrer Modernität sollen das Pendant zu den historischen
Gebäuden in der Umgebung sein. Unterschiedlich große Einzelfliesen
werden gestalterisch an der Außenseite angebracht. Fließendes
Wasser läuft permanent über das Gebälk
in ein Auffangbecken. |
|
Eine Tafel führt alle Personen auf, die sich für den Erhalt der Kelter und der historischen Altstadt ausgesprochen und engagiert haben. Mit jedem erworbenen Teil wird ein Stück Cnudelingen erhalten. |
|
|
Philosophische Betrachtung |
|
| Die zwei parallel
zueinander stehenden Stelen sind Symbol für Raum und Zeit, Vergangenheit
und Zukunft, Erde und Himmel. Sie ragen auf historischem Boden senkrecht
in die Höhe, geschaffen in unserer Zeit. Man könnte glauben, dass diese Zeichen der Gegenwart endlos sind, wie Lichtstrahlen die sich im Universum verlieren. Bei genauerer Betrachtung jedoch bewegt sich eine Stele nach oben, die andere nach unten. Eine Richtungsänderung, die den Ablauf des Seins signalisiert. Die rechts Stehende scheint dabei mit dem Himmel Kontakt aufnehmen zu wollen, die Linke das Unerforschte des Erdinneren zu erkunden. |
|
| Der Zenit konkretisiert sich in einer Querverbindung, der zu denen in eine Richtung strebenden Stelen, ein wenig Einhalt gebietet. Es ist ein anders verlaufendes Element, das diesen Moment festhält. Den Augenblick, der das Leben ist. Kurz und doch von Bedeutung. Nur eine Berührung der Ewigkeit. | |
| Der Standpunkt unterstreicht die Gegensätze: Lichtreflektierende Oberflächen umgeben von morbidem Gemäuer. Zweimal ein Quadratmeter Boden lassen jeweils fünf Meter Höhe, acht senkrechte Flächen spiegeln. Verbindend in Form und Farbe schlägt die an der oberen Hälfte der Stelen angebrachte Querstrebe, eine Brücke zwischen Erde und Himmel. | |
| Farbige Fliesen reihen sich aneinander. Die technisch perfekt anmutenden Oberflächen der Stelen stehen im Kontrast zu dem jahrhundert alten Mauerwerk das voller Würde die Jahrhunderte überstanden hat. Jede Seite ist anders gestaltet: Figürlich, bizarr, grafisch, verwirrend und doch werden einzelne Elemente zum Ganzen, zu einem Bild, denn in den Flächen der Türme findet sich das Dachgestühl der Kelter wieder. | |
| Die linke Stele,
leicht nach hinten versetzt, weist Flächen und Farbe auf, die sich
mit der Zeit, der Zukunft und dem Himmel befassen: Der Farbe Gelb. Es ist die nächste Farbe zum Licht und eine der Urfarben Schwarz, Weiß, Gelb, Blau. In der Evolution der Farbe war das Leben vor 3.500 Millionen Jahren schwarz, bis dann 2.000 Millionen Jahre später Grautöne für Tiere existierten. Weitere richtige Ur-Farben, gelb und blau waren erst vor 1.000 Millionen Jahren für Primaten Bereich erkennbar. |
|
![]() |
|
| Goethe nahm in seiner Farbenlehre die drei Polaritäten Licht-Finsternis, Gelb- Blau und Gelbrot-Blaurot an. Die beiden Ur-Farben Gelb und Blau sollten jeweils aus dem Licht und der Finsternis entstehen. | |
| Ein gelbes Pigment wurde bereits bei den Höhlenmalereien von Lascaux vor 17000 Jahren verwendet. Die alten Ägypter benutzten gelben Ocker auf Wandgemälden. Im alten China, dem "Reich der Mitte" und in allen asiatischen Kulturen galt die Farbe Gelb als Farbe der Glückseligkeit, des Ruhmes und der Weisheit. Viele Kulturen sagten der Farbe Gelb eine schützender Wirkung nach. Die Farbe GELB symbolisiert das Sonnenlicht, die Erkenntnis und das Gedeihen des Lebendigen, aber auch den Herbst und die Reife. | |
| Die zweite Stele
ist etwas nach vorne versetzt und weist die Farbe Blau auf. Sie spiegelt
auch das Lebensspendende Wasser. Blau versetzt in einen Zustand des Träumens, die Farbe stimmt sehnsüchtig, sie wirkt beruhigend und führt zu einer ernsthaften Sicht der Dinge nach innen. Die Farbe Blau gilt als Farbe des Gemüts und stimmt positiv. Das Blau bewirkt, dass die Botschaften leichter angenommen werden. |
|
| Im alten Ägypten wurden dem blauen Lapislazuli Lebensspendende Eigenschaften nachgesagt. Die Ägypter erfanden auch das blaue Glas Smalte, welches zusammen mit dem Lapislazuli bei Statuen und Särgen der Pharaonen zur Darstellung der Augen, Haare und Kronen diente. Der Nil wird auf altägyptischen Grabbildern ebenfalls immer in blauer Farbe dargestellt. In Gräbern fanden sich unbekleidete, mit blauer Lasur überzogene Frauenfiguren, die als Symbol der Schöpfung und als Erneuerung des Lebens verstanden werden können. | |
| Die Farbe BLAU gilt als Farbe des Wassers und der Tiefe. Sie ist als Farbe eine Energie und ist in ihrer höchsten Reinheit gleichsam ein reizendes Nichts. Es ist etwas Widersprechendes von Reiz und Ruhe im Anblick. | |
| Die Querverstrebung,
das verbindende Element, die Brücke zwischen Himmel und Erde ist
in der Farbe Rot gehalten. Das verbindende Element lässt das Sein
leicht und positiv erscheinen. Es wirkt kurz jedoch voller Intensität. Die Farbe ROT gilt als Farbe des Feuers oder des Blutes. Blut und Feuer besitzen sowohl eine positive als auch eine negative Besetzung. Dem Hass, dem Krieg, der Aggression und dem Blutvergießen stehen die Kraft, die Liebe, die Wärme und die Leidenschaft gegenüber. Der biblische Adam wurde aus roter Erde geschaffen. Die "Mutter Erde" spendete den Völkern der Steinzeit den roten Ocker. Die Farbe Rot symbolisiert Macht und Herrschaft über Leben und Tod, aber auch Glaube, Erfüllung und Liebe. |
|
| Wasser Grundlage allen Lebens rinnt von den Türmen herab. Es symbolisiert den Fluss des Lebens und die Vergänglichkeit. | |
|
von Gerd Schweizer
|
|